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MONOLIGHT – Ein temporärer Eingriff in drei fokussierten Wahrnehmungen

Der Bau des Güterschuppens in Glarus wurde 1894 durch die Direktion der vereinigten Schweizer Bahnen genehmigt. Nach dem verheerenden Brand von 1861 wurde er im Rahmen des Wiederaufbaus als einer von vier Trakten gebaut. Die Bauweise in vier Trakten war zur damaligen Zeit mehrheitlich üblich und beinhaltete Hauptgebäude, Wagon-Remise, Lokomotiv-Remise und Güterschuppen.

Der langgezogene Bau steht parallel zwischen Schiene und Straße. Die Eisenbahnwaggons gaben die Höhe der Rampen vor, welche auf beiden Seiten des Gebäudes den Güterumschlag erleichterten. Die Güterschuppen beherbergten früher die Güterexpeditionen. Ein jeder konnte hier sein Gut aufgeben und abholen. Güter, welche für den Posttransport zu schwer und zu gross waren, wurden ebenfalls an diesem Ort verfrachtet. Entsprechend wichtig waren die Güterschuppen vor dem Aufkommen der Lastwagen für die örtliche Wirtschaft, weil sie den Warenfluss eigentlich erst in Gang brachten. Es wurde meist nur Stückgut angenommen, daher die Ware unterwegs in der Regel mehrmals umgeladen werden musste. Durch Umorganisation und Verlagerung des Stückguts auf die Straße sind auch die Güterschuppen, unter anderem auch derjenige in Glarus, überflüssig geworden. Er wurde, wie auch die meisten anderen, für andere Zwecke zwischen- oder umgenutzt.

Seit zwei Jahren funktioniert der Güterschuppen in Glarus als kulturelles Aktionsfeld des Glarner Kunstvereins. Daraus gewachsen ist die Edition «Gepäckausgabe», welche sich zum erklärten Ziel setzt, Kunst und Raum miteinander zu verbinden. Die künstlerische Transformation des Raumes und die Intervention im Raum sind die zentralen Elemente des Konzepts.

Wie spiegelt man vergangene Zeit inmitten zeitgemässer Schnellebigkeit? Wie behandelt man eine Bauliche Substanz mit all ihrer Infrastruktur, um ihr im Kontext zur Geschichte und Ausblick in die Zukunft gerecht zu werden? Worauf und in welcher Schärfe wird fokussiert? Bedarf es neuer Medien oder reicht das Vorhandene? Der Güterschuppen Glarus war schon immer Drehscheibe zur Aussenwelt. Der Monolight legt sich mit seiner filigranen Struktur quer und mit etwas Gefälle durch die Gepäckausgabe. Dessen Eingang befindet sich im Vorraum der Gepäckausgabe, quasi im Aussenbereich. Die Räumlichkeiten werden zur Brücke von Raum und Zeit. Ein Raum im Raum ist entstanden, welcher mit drei kleinen Öffnungen spezifische Ein-und Ausblicke ermöglicht. Der Fokus-Dreiklang verbindet Plusquam, Präsens und Futur. Diese Öffnungen funktionieren einerseits als Camera Obscura und zeigen andererseits auf beiden Seiten die Aussenräume mit den Rampen, sowie in der Mitte den grossen Innenraum – an dessen Holzkonstruktion sich der Monolight inspiriert.Durch bewussten Verzicht auf weitere Lichtquellen soll beim Betreten des schmalen und dunklen Korridors die Wahrnehmung geschärft und verstärkt werden. Als statisches Moment absorbiert der Monolight Aktion und Bewegung der Besucher, schafft sich autonomen Raum. Der Besucher bewegt sich in der Struktur, wie dazumals das Stückgut, von einer Seite zur anderen. Eine konsequente Auseinandersetzung mit dem Ort beginnt. Oder ist gar der Monolight das letzte grosse und hängende gebliebene Stückgut?


«MONOLIGHT», eine Intervention in Zusammenarbeit mit Lukas Lenherr unter Mithilfe von Eliane Zgraggen und Georgia Papathanasiou.