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Die Ausstellung «Meta Schwyz – Mythenbrüche» untersucht Mythen im Allgemeinen und diejenigen des Kantons Schwyz im Speziellen.

Nicht nur die beiden landschaftlichen Wahrzeichen sind formale und inhaltliche Themen der Arbeiten, auch auf metaphorischer Ebene werden Bezüge und Verbindungen geschaffen. Die Wahrheit des Mythos ist die einer Metapher, eines Symbols. Wie sind die Mythen entstanden, auf denen der Kanton aufgebaut ist und welche Bedeutung haben sie? Wie kann man mit zeitgenössischen Kunststrategien darauf reagieren?

2015 ist das Jahr der Schweizer Mythen, der Jubiläen und damit auch Diskussionen zur Schweizerischen Erinnerungskultur. 1315, 1515, und 1815 sind historische Wegmarken und werden v.a. kantonal und von privaten Organisationen politisch wie auch wirtschaftlich in Beschlag genommen, während sich der Bund zurückhält. Als Landkanton und Morgartenheimat, die aber gleichzeitig Finanzplatz und sicherer Hafen der Reichsten ist, manifestieren sich im alten Lande Schwyz Mythen und deren Auslegung besonders stark. Mythen nutzen die Macht der narrativen Metapher. Sie besitzen eine scheinbar unbegrenzte Palette an Erinnerungsinteressen und sterben darum nicht aus, weil sie je nach Bedarf umgedeutet und eingesetzt werden können.

Mythen bieten Alles, von Orientierung und Halt in Zeiten, wo Heimat nichts Statisches mehr ist, über kollektive Irrtümer bis zum Sichern von Herrschaft oder sozialem Zusammenhalt in Krisenzeiten. Oder sie sind einfach schaurig gut erzählte Märchen. Mythen können Entwicklungen im Wege stehen, missbraucht werden, bequem und selbstgefällig machen und werden darum seit jeher von kritischen Geistern in Frage gestellt oder gar offen bekämpft.

Nach Roland Barthes kann «alles, was Träger eines Zeichens sein kann, zum Mythos werden»: ein Alltagsgegenstand, eine Person, ein Geschehnis oder ein geografischer Ort, sobald etwas zum kollektiven Symbol oder Identifikationsträger wird.

Mythos sei Rede, «eine historische Gegebenheit, die als natürliche ausgegeben wird.» Mythen gelten als selbstverständliche Wahrheiten, obwohl sie keinerlei wissenschaftliche Erklärung bieten (alle Zitate Barthes aus «Mythen des Alltags»). Nach Pouillon (die Mythische Funktion) ist Mythos weder Fälschung noch Lüge, vielmehr geschaffenes, gesellschaftliches Werkzeug, Wirklichkeiten adäquater denken zu können und ihnen Sinn zu verleihen.

Mit «Meta Schwyz» versuchen wir Festgefahrenes auf eine Metaebene zu verlagern und blicken über Miniatur-Mythen hinaus. Uns interessiert die Schwyzer Eigenwilligkeit, Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit. Wir schöpfen aus dem handwerklichen und kulturellen Erbe dieses Kantons und schaffen künstlich und künstlerisch ein neues Stück Schwyzer Heimat, welches weitergefasste Identifikationsmöglichkeit bietet. «Die Mythen» sind ausserdem das landschaftliche Wahrzeichen von Schwyz und haben ihren Namen, laut dem Namensforscher Victor Weibel, aus dem lateinischen Wort «Meta» erhalten, was “etwas Aufragendes“ bedeutet.

In der Ausstellung lassen sich zwei Gruppen von Arbeiten unterscheiden. Diejenigen, die inhaltlich und formal direkt Bezug auf den Kanton Schwyz nehmen und die anderen, die das Motiv Mythos generell umkreisen.Der erste Stock kann durch die dichte Hängung als eine Art «Mythenshop» gelesen werden, in welchem Mythen handfest bearbeitet und als Bild, Skulptur oder Objekt neu dargestellt werden. Der zweite Stock funktioniert reduzierter, als Metaebene, in der die umgesetzte Idee, oder was sich die Besucher darauf einbilden, im Zentrum steht.

«Meta Schwyz – Mythenbrüche» verstehen wir als Kollektivausstellung (Mischa Camenzind, Matthias Gubler und Eliane Zgraggen). Alle Werke wurden gemeinsam erarbeitet, auch wenn bei gewissen Arbeiten die individuelle Handschrift bestehen bleibt.